ALASCA mit C - wie Community: Gemeinsam technische Silos aufbrechen und Europas digitale Souveränität voranbringen.
Am 21. September 2026 kamen 8 Vertretende aus Wirtschaft und Politik zu unserem diesjährigen ALASCA Round Table in Leipzig zusammen und diskutierten die übergeordnete Frage, inwiefern die verschiedenen Intiativen organisationsübergreifend zusammenarbeiten und Synergien herstellen können, um ein resilientes Open-Source-Ökosystem mit stabilen und verlässlichen Akteuren zu erschaffen. Das Gespräch identifizierte eine Reihe von Herausforderungen, die aktuell eine Vernetzung und technische Zusammenarbeit von Initiativen erschweren und beschäftigte sich zudem mit der Frage, welche Maßnahmen es braucht, um genau diese Silos zukünftig aufbrechen zukönnen.
Im Einklang mit dem diesjährigen Motto des ALASCA Summits ALASCA mit C – wie Community: Gemeinsam technische Silos aufbrechen und Europas digitale Souveränität voranbringen diskutierten die Expertinnen und Experten der Runde wie ein resilientes Open-Source-Ökosystem aussehen sollte, welche Rolle der Staat dabei spielt und welche Verantwortungen bei den Unternehmen liegt, die Open-Source-Technologien konsumieren und ihr Geschäftsmodell auf diesen basieren.
Insbesondere wurde ein bestehendes Ungleichgewicht im Verhältnis von Unternehmen, welche Open-Source nur konsumieren und jenen, welche aktiv in die Weiterentwicklung der eingebundenen Technologien investieren, als eine der zentralen Herausforderungen hervorgehoben. Denn ein starkes und resilientes Open-Source-Ökosystem benötigt nicht nur Abnehmer und Anbieter, sondern vor allem die Bereitschaft eben dieser Anbieter, einen Teil der Ressourcen zurück in die Entwicklung von Open-Source zu speisen.
Welche weiteren Aspekte die Expertinnen und Experten in unserem Round Table diskutierten, kann bald in unserem White Paper nachgelesen werden, welches die wichtigsten Ergebnisse und Kernaussagen des Gesprächs strukturiert zusammenfasst.
Wir möchten uns ganz herzlich bei unseren Teilnehmenden Dirk Meyer-Claassen (Senatskanzlei Berlin), Kurt Garloff (s7n Cloud Services), Miriam Seyffarth (Open Source Business Alliance), Marius Feldmann (ALASCA e.V.), Vasu Chandrasekhara (NeoNephoes Foundation), Chris Schlaeger (Schwarz Digits), Christian Berendt (23 Technologies) und Luise Kranich (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) für ihre Teilnahme an unserem Round Table bedanken.
Moderiert wurde der Round Table von Julia Nitzschner (Silicon Saxony e.V.).
Expertinnen und Experten
Kernaussagen Pressegespräch
Dirk Meyer-Claassen
Abteilungsleitung „Strategie, Steuerung, Recht und Prozesse“, Senatskanzlei Berlin
Seit 2023 leitet Dirk Meyer-Claassen die Abteilung „Strategie, Steuerung, Recht und Prozesse (CDO-Aufgaben)“ (ehemalig war dies die Abteilung „Verwaltungsmodernisierung und -steuerung, Digitalisierung der Verwaltung“) in der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Zu seinen zentralen Aufgaben gehören die Gestaltung der Verwaltungsreform, Staatsmodernisierung und Bürokratieabbau, die Entwicklung und Umsetzung von Digitalisierungsstrategien sowie Digitalrecht und Digitalcheck. Darüber hinaus verantwortet er die gesamtstädtische Verwaltungssteuerung, die Steuerung der Bürger- und Ordnungsdienste, die digitale Barrierefreiheit und die Aufsicht über das ITDZ Berlin.
Statements
- „Technologiefreiheit und Wechselfähigkeit müssen wichtiger sein als kurzfristige Bequemlichkeit.“
- „Offene Standards und Open-Source sind strategische Instrumente für Resilienz und Wettbewerb – keine Ideologie.“
- „Digitale Souveränität entsteht nicht durch Einzelprojekte, sondern durch eine konsequente Architektur, klare Strategien und verbindliche Standards.“
Vasu Chandrasekhara
Ambassador NeoNephos Foundation
Vasu Chandrasekhara ist ehemaliger VP für die Cloud-Native-Strategie bei SAP und heute Ambassador von NeoNephos. Nachdem er Kubernetes als Teil der Enterprise-Foundation bei SAP etabliert hat, konzentriert er sich heute auf das Cloud-Native-Ökosystem und die Entwicklung eines entsprechenden Mindsets für digitale Souveränität.
Zuvor leitete er das umfangreiche SAP-Projekt im Rahmen des EU-IPCEI-CIS und etablierte NeoNephos als dessen „OSS Infrastructure“. Vasu hat Physik und Informatik an der Universität Osnabrück studiert, lässt sich jedoch ungern an einen bestimmten geografischen Ort binden. Am liebsten ist er in der Cloud.
Statements
- „Sovereignty = func(Ecosystem, Interoperability)“
- „Gemeinschaftlich entwicklete, vendor-neutrale Open-Source-Lösungen, beispielweise im Eigentum einer Stiftung (wie Linux etc.), reichen nicht aus, um die Herausforderung in Europa zu stämmen.“
- „Das Kernproblem besteht darin, dass typische Open-Source-Foundations keine Lösung für die Monetarisierung der beteiligten bzw. beitragenden Parteien bieten, sondern diese Aufgabe den jeweiligen Anbietern überlassen. Dadurch tragen sie zur Fragmentierung des potenziellen Marktes bei.“
Luise Kranich
Abteilungsleiterin T – Technologiestrategie und Informationstechnik, BSI
Luise Kranich leitet im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Abteilung Technologiestrategie und Informationstechnik. Sie verantwortet die technologische Ausrichtung, Standards und Prüfmethoden über den gesamten IT-Stack sowie den Betrieb von Laboren und der internen IT des BSI.
Zuvor war sie Referatsleiterin im Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) und gestaltete dort maßgeblich die Rahmenarchitektur, Standardisierung und föderalen Digitalisierungsprogramme zur Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG).
Mit Stationen in der angewandten Informatikforschung sowie im Non-Profit- und Startup-Umfeld verbindet sie strategische Technologiekompetenz mit praktischer Umsetzungserfahrung – an der Schnittstelle von Digitalisierung, Verwaltung und Sicherheit.
Statements
- „Nicht die Technologie ist souverän, sondern das handelnde Subjekt – also Person oder Organisation.“
- „Der Souveränitätsanspruch ergibt sich aus dem Anwendungszusammenhang und sollte nicht pauschal formuliert werden.“
- „Für Wechselfähigkeit benötigen wir offene Schnittstellen und Bewertungskompetenz.“
Christian Schlaeger
Managing Director, Schwarz Digits Cloud GmbH
Chris Schlaeger leitet die Infrastructure as a Service (IaaS) Organisation der Schwarz Digits Cloud, die sich mit ihrer Marke STACKIT als europäischer Hyperscaler positioniert. Bevor er bei der Schwarz Digits Cloud anfing, arbeitete er 13 Jahre bei Amazon AWS und leitete wichtige Teile von EC2. Dort war er für technische Innovationen wie den Nitro Hypervisor und den Open Source Virtual Machine Manager Firecracker verantwortlich. Durch vorherige Stationen bei AMD und SUSE sowie private Projekte ist er seit vielen Jahren in der Open Source Community aktiv.
Statements
- „Wir brauchen eine europäische Alternative zu den US-Hyperscalern.“
- „Wir müssen den vorhandenen Technologievorsprung der US-Hyperscalern so schnell wie möglich ausgleichen.“
- „Die Cloud ist ein Geschäft, das von Skaleneffekten getrieben ist. Jedes Wachstum ermöglicht neue Möglichkeiten, die nur mit einer bestimmten Größe freigeschaltet werden. Daher ist schnelles Wachstum kritisch für unseren Erfolg.“
Miriam Seyffarth
Leiterin Politische Kommunikation in der Open Source Business Alliance
Miriam Seyffarth leitet seit 2022 die Politische Kommunikation bei der Open Source Business Alliance. Von 2016 bis 2021 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Büroleiterin der Bundestagsabge-ordneten Tabea Rößner und betreute in dieser Funktion diverse bundespolitische Digitalthemen. Davor war sie als Kulturmanagerin am Deutschen Generalkonsulat in Saudi-Arabien tätig.
Statements
- „Das Thema digitale Souveränität hat in den letzten Jahren deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten, das ist Segen und Fluch gleichzeitig: Zum Einen streiten immer mehr Akteure und Organisationen um die Definitionshoheit: Was genau ist digitale Souveränität, was ist es nicht? Wo beginnt Open-Washing oder Souveränitäts-Washing? Gleichzeitig gibt es auch wirtschaftlich mehr zu gewinnen, weshalb im Open-Source-Bereich nicht mehr nur die „Urgesteine“ unterwegs sind, sondern auch immer mehr Unternehmen, die einfach Aufträge gewinnen wollen. Als Open-Source-Community stehen wir daher vor der Aufgabe, trotz dieser Fliehkräfte unsere Anstrengungen zu bündeln und immer wieder auf gemeinsame Nenner zu kommen, damit wir an einem Strang zu ziehen, um das Ziel der digitalen Souveränität zu erreichen.“
„Die Open-Source-Community ist eine eingeschworene Gemeinschaft mit einem starken „In-Group-Gefühl“. Wenn wir wirklich die „Silos einreißen“ und neue Brücken bauen wollen, dann müssen wir uns aktiv und bewusst darüber Gedanken machen, wie wir uns mit anderen Communities und Branchen vernetzen können und wer neue Verbündete sein können.“
Christian Berendt
CEO 23Technologies GmbH, CEO OSISM GmbH, Mitglied des ALASCA Vorstands
Christian Berendt setzt sich bereits seit vielen Jahren im Bereich der Open-Source Cloud-Infrastrukutur ein und gründete in dieser Zeit unter anderem die 23 Technologies zum Transfer von cloud-nativer Technologie in den industriellen Bereich als auch die OSISM, eine Plattform zur Verwaltung von souveränen Clouds, an dessen Entwicklung er maßgeblich beteiligt war.
Darüber hinaus engagiert ich Christian als Mitglied des Governing Boards der NeoNephos Foundation sowie bei ALASCA selbst – als Mitglied des erweiterten Vorstands und als Sprecher des Tchnical Steering Committees.
Statements
- „Der Engpass ist nicht die Technologie, sondern die Kompetenz.“
- „Open Source allein reicht nicht, es kommt auf die Governance an.“
- „Souveränität ist keine Frage von Autarkie.“
Kurt Garloff
CEO S7n Cloud Services GmbH
Kurt Garloff ist seit Mitte der 1990er-Jahre tief in der Open-Source-Welt verwurzelt. Seine berufliche Laufbahn begann mit Beiträgen zum Linux-Kernel und führte ihn über verschiedene Führungs- und Entwicklungspositionen bei SUSE, unter anderem als Leiter der SUSE Labs, bis zur strategischen Arbeit an Open-Source-Partnerschaften.
Bei der Deutschen Telekom und T-Systems war er als Chefarchitekt maßgeblich an der Entwicklung der Open Telekom Cloud bzw. T-Cloud Public beteiligt. Später prägte er die Konzeption und technische Umsetzung des Sovereign Cloud Stack (SCS) und übernahm bei der OSBA die technische Projektleitung.
Heute berät und entwickelt er rund um den Sovereign Cloud Stack und engagiert sich in zahlreichen Open-Source-Communities. Unter anderem ist er gewähltes Board Member der Open Infrastructure Foundation und Mitglied des SCS Project Boards. Sein Schwerpunkt liegt auf offenen, souveränen Cloud-Infrastrukturen und der Verbindung von Technologie, Community und strategischer Führung.
Statements
- „Der Versuch, den einen dominanten Cloudanbieter in Europa („Cloud-Airbus“) als Gegenmodell zu den Hyperscalern zu etablieren, ist zum Scheitern verurteilt und hilft digitaler Souveränität nicht.“
- „Das Gegenmodell ist ein föderierter Ansatz, ein dezentraler, verteilter „Hyperscaler“, zusammengehalten durch gemeinsame offene Standards und Zusammenarbeit an freier Software und offenem Betriebswissen.“
- „Fragmentierung ist bei größeren Vorhaben der natürliche Trend – dem muss mit viel Engagement und guten Strukturen begegnet werden. Das ist harte Arbeit!“
Marius Feldmann
COO Cloud&Heat Technologies und Vorstandsvorsitzende ALASCA e.V.
Marius Feldmann ist Chief Operating Officer bei Cloud&Heat Technologies und verantwortet in dieser Rolle die technologische Weiterentwicklung des Software-Stacks, den Betrieb der Cloud-Infrastruktur sowie die strategische Geschäftsentwicklung und Marktausrichtung. Er hat Cloud&Heat Technologies in mehreren bedeutenden Partnerschaften und Initiativen (u. a. Gaia-X, SCS, OSBA) verankert, darunter die Partnerschaft mit der STACKIT, in deren Kontext beispielsweise das Lifecycle-Management-System Yaook entstanden ist. Um Yaook von den einzelnen Unternehmen zu entkoppeln und unabhängiger weiterzuentwickeln, entstand parallel zur steigenden Nachfrage nach betriebsfähigen Open-Source-Tools für digitale Souveränität die Idee zur Gründung von ALASCA e.V., dessen Vorstandsvorsitz Marius Feldmann heute innehat.
Statements
- „Digitale Souveränität in Europa erfordert das Erschaffen eines resilienten Open-Source-Ökosystems.“
- „Ein nachhaltiges Open-Source-Ökosystem verbindet technische Communities und Unternehmen so, dass aus gemeinsamer Entwicklung wirtschaftlicher Wert entsteht – und dieser Wert wiederum neue Investitionen in Open Source ermöglicht.“
- „Der Begriff Community umfasst nicht nur technische Communities sondern versteht sich als ein Zusammenschluss aller Akteure, die es für eine positive und gemeinsame Entwicklung der digitalen Souveränität benötigt – Technische Communities, wirtschaftlich resiliente Unternehmen und Abnehmer souveräner Cloud-Infrastrukturen.“
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